Storytelling: Spannungsbogen statt Hängematte

Es war einmal…

„Wie soll ich denn Normen in eine Geschichte verpacken?“ werde ich oft gefragt. Oder: „Mein Werdegang ist eben ein Ablauf von Meilensteinen, da lässt sich nichts ändern.“

Die Unsicherheit darüber, was Storytelling bedeutet, hält viele Menschen davon ab, ihr Thema mit Leben zu füllen. Das Ergebnis ist ein Einstieg à la: „Also… im Jahr 1992…“ Als Zuhörer wissen wir sofort, das ist das eine Ende der Hängematte. Dramaturgisch wird es jetzt noch zäher, bis schließlich die Matte mit einem „Ja genau, also so war das“ das andere Ende erreicht.

Wie wäre es mit folgendem Start: „Ich kann mich noch gut an diesen Tag erinnern: Ich zog mein bestes Kleid an und machte mich auf den Weg…“ Und schon bin ich in der Story. Mehr Erzählstil und weniger aneinandergereihte Ereignisse, dazu noch etwas Emotion – der Grundstein ist gelegt.

Spanne den Bogen

Der Einstieg ist wesentlich. Wir haben dazu viele Möglichkeiten: Stelle zum Beispiel eine Frage („Wer von euch kennt noch diese eigenartige Mode der 90er Jahre? Ich bestand damals darauf…“) oder steige direkt ins Thema ein („Heute geht es um etwas, das uns alle betrifft.“)

Im Aufbau brauchen wir kein Märchen zu erzählen, sollten aber dennoch eine erkennbare Struktur bieten. Eine probate Technik ist das Besiegen des Monsters: Wir beschreiben unser (zB geschäftliches) Vorhaben und berichten über Schwierigkeiten, Hindernisse oder Gegner. Am Ende ist unser Unternehmen siegreich.

Gerne verwendet wird auch die Heldenreise. Hier beschreiben wir unser Ziel und unsere Motivation – und was wir erlebt haben, bis wir das Ziel erreichten. Dabei dürfen die Erlebnisse abenteuerlich, tragisch oder humorvoll sein.

Für sehr analytische Menschen genügt auch ein einfacher Fahrplan: „Warum das wichtig ist, erkläre ich Ihnen nun in drei Schritten.“ Jeden dieser Schritte mit einem Beispiel oder einer Erfahrung zu belegen – ja, auch das ist Storytelling.

Damit der Spannungsbogen perfekt ist, darf eine Überraschung oder ein Wendepunkt nicht fehlen. „Damals waren wir sicher, dieses Produkt würde alle Erwartungen übertreffen. Bis der Shitstorm losbrach. Wir hatten etwas Wesentliches übersehen…“

Schließe den Kreis

Keinesfalls sollten wir das Ende dem Zufall überlassen. Womit wollen wir die Zuhörer wegschicken? Was sollen sie denken oder tun? Wähle ich ein Happy End oder zeige ich ein Problemfeld auf, das die Zuhörer durch ihr Handeln lösen können? In jedem Fall müssen wir klar machen, was zu tun ist und den Kreis der Story schließen. „Deshalb bitte ich Sie jetzt:…“ oder „Darum heben wir jetzt das Glas auf die nächsten 25 Jahre!“

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